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[Reflexion] #20: Offshore-Handwerk zwischen Authentizität und Wirtschaftlichkeit

Man hat mich kürzlich gefragt, warum ich nicht die Rolle des Vermittlers zwischen vietnamesischen Handwerkern und französischen Verbrauchern übernehmen möchte, indem ich maßgeschneiderte Produkte anbiete, die mit denen von Luxusmarken vergleichbar sind. Auf den ersten Blick scheint die Idee edel: das vietnamesische Know-how wertschätzen, eine Brücke zwischen zwei Kulturen schlagen und einen menschlicheren Handel fördern. Doch dieser Vorschlag macht mich zutiefst unwohl.

Bei näherer Betrachtung bleibt dieses Vorgehen in den klassischen Logiken des Konsumismus verankert: Es sind immer noch die Kriterien der Kaufkraft und des Preis-Leistungs-Verhältnisses, die die Kaufentscheidungen leiten. Wenn es beim Handwerk als solchem wirklich um die Sache ginge, würden die Verbraucher lokale Handwerker unterstützen – in Frankreich zum Beispiel (übrigens ist die technische Meisterschaft französischer Handwerker in Lederwaren, Schuhmacherei und Buchbinderei deutlich fortgeschrittener) – und dafür höhere Preise akzeptieren. Aber es ist nicht die Authentizität oder die handwerkliche Herkunft, die den Kauf motiviert, sondern die Möglichkeit, ein einzigartiges, sorgfältig gefertigtes Produkt zu erhalten, zu einem reduzierten Preis.

Der Diskurs über Authentizität und Handwerkskunst ist nicht selten nur ein verführerischer Anstrich, der eine Suche nach wirtschaftlicher Optimierung verbirgt. Und genau das stört mich: Das Handwerk wird herangezogen, um eine unveränderte Marktlogik zu speisen, ohne die Machtverhältnisse oder die zugrunde liegenden kommerziellen Dynamiken infrage zu stellen. Der Verbraucher hingegen erhofft sich ein qualitativ hochwertiges, personalisiertes Produkt, des Luxus würdig – aber zum Preis von Sandro.

Diese gleiche Logik findet sich im System der Halbmaßanfertigung im Schneiderhandwerk. Ein Verkäufer mit Sitz in Frankreich (der nicht einmal nähen kann), nimmt die Maße des Kunden, berät, wählt Stoffe aus, personalisiert Optionen – aber die Fertigung wird anschließend komplett ausgelagert, oft nach Osteuropa, manchmal sogar nach China. Dieses Modell wird als Kompromiss zwischen Handwerk, Personalisierung und Erschwinglichkeit präsentiert. Doch auch hier wird das Herzstück des Know-hows – das Nähen, das Zusammenfügen, die Verarbeitung – am anderen Ende der Kette ausgeführt, unter Bedingungen, die völlig unbekannt sind. Der wahrgenommene Wert beruht auf dem lokalen Service und dem Bild der Maßanfertigung, während die handwerkliche Geste unsichtbar bleibt.

Hinzu kommt eine weitere, sehr konkrete Dimension: Damit ich selbst von diesem Projekt leben könnte, müsste ich mich mindestens auf dem Niveau des französischen SMIC vergüten, also etwa 11,65 € brutto pro Stunde, ohne Abgaben und Mehrwertsteuer. Nehmen wir ein Beispiel: Stellen wir uns vor, ein Handwerker setzt den Preis für eine personalisierte Tasche auf 200 € fest, und ich wende nur 5 Arbeitsstunden dafür auf (was angesichts der Zeit, die ich normalerweise für meine eigenen Kreationen aufwende, sehr wenig ist). Meine Bruttovergütung wäre dann 58 €, also fast 70 € inklusive Mehrwertsteuer zusätzlich zum Preis der Tasche. Ergebnis: Damit ich mindestens vergütet werde, müsste die Tasche für mindestens 270 € verkauft werden, ohne Logistikkosten, Lieferung oder diverse Unwägbarkeiten einzubeziehen.

Und doch hat der Handwerker wahrscheinlich mehr Stunden an dieser Tasche gearbeitet als ich – für eine weitaus geringere Vergütung. Diese Disproportion stört mich zutiefst. Warum sollte meine Rolle, die doch am Rande der Fertigung liegt, besser bezahlt werden als die manuelle, sorgfältige, oft unsichtbare Arbeit des Handwerkers? Hier reproduziert sich ein allzu bekanntes Muster: das, bei dem der Zwischenhändler mit Sitz in Europa den Großteil des Werts abschöpft, während man vorgibt, fairen Handel und respektvolle Handwerksarbeit zu unterstützen.

Dieses Paradoxon wird umso deutlicher, als die Verbraucher, wenn ich vorschlage, direkt bei den vietnamesischen Handwerkern zu bestellen, mit denen ich vertrauensvoll zusammenarbeite, ohne Provision meinerseits, fast ausnahmslos ablehnen. Zu kompliziert, sagen sie. Zu viel Aufwand. Und das trotz effektiver Übersetzungswerkzeuge und der Einfachheit des Online-Austauschs. Der Verbraucher möchte ein ethisches, personalisiertes, erschwingliches Produkt – aber ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Alles muss ihm schlüsselfertig und ohne Reibung serviert werden.

Genau diese Logik bremst mich und gibt mir nicht den Wunsch, mich in dieser Tätigkeit zu engagieren. Meinerseits versuche ich, meinen vietnamesischen Handwerkern eher Marketingwerkzeuge und Sichtbarkeit zu geben, damit sie ihre eigenen europäischen Kunden finden und sie bei maßgeschneiderten Projekten begleiten können. Sie haben die Liste meiner bevorzugten Handwerker hier (vietnamesische wie europäische).

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